Nov 25
2008

Ein sehr interessantes Beispiel zur Problematik "Langzeitspeicherung digitaler Informationen" ist derzeit bei der NASA zu beobachten. Ein Artikel im Onlinemagazin der Computerwoche beschreibt die Situation: "Für neue Auswertungen der Apollo-Missionen in den 60er Jahren ist der Zugriff auf damals erstellte Bänder erforderlich – doch es gibt keine funktionierenden Laufwerke mehr."Den erfolgreichen Zugriff soll ein Laufwerk aus dem Jahr 1960 ermöglichen, welches irgendwo in Australien noch existiert und verfügbar ist.

Als Entwickler für das Web befaßt man sich im Grunde selten mit dieser Problematik. Die Halbwertszeit einer Webseite der dahinterliegenden Technik liegt ja meines Erachtens deutlich im einstelligen Jahresbereich. Spätestens dann wird die gesamte Technik auf eine neue Plattform gehoben, der alte Code wird bestenfalls archiviert, um im Falle eines Falles eingesehen werden zu können. Aber auch hier läßt sich der Hebel ansetzen. Auf welchem Medium archiviert man veralteten Code, um auch nach Jahrzehnten ggf. nochmals darauf zugreifen zu können? 

In meiner privaten "Datenträgersammlung" finden sich u.a. noch einige Disketten im Format 720 KB, 1,44 MB und 120 MB (Zip Laufwerk). Die beiden ersten Formate können zumindest bei mir zuhause nicht mehr gelesen werden, da kein Diskettenlaufwerk mehr in den PCs oder Notebooks existiert. Aber im Freundeskreis gibt es noch funktionierende Laufwerke. Zum Lesen des Inhaltes der ZIP Disk allerdings müßte ich schon in einem weiteren Umfeld recherchieren.

Wenn ich gelegentlich an meiner Schallplattensammlung (mit noch vorhandenem Plattenspieler) vorbeigehe, fühle ich mich irgendwie auf der sicheren Seite. Gleiches gilt, wenn ich ein "analoges, normales" Fotoalbum aufschlage und die Bilder von 1972 in den Händen halte. Nochmehr in Erstaunen versetzt mich das älteste Buch in meiner Büchersammlung aus dem Jahr 1720. Dort sind vom früheren Besitzer zusätzlich zum Druck Informationen mit Bleistift an den Seitenrändern eingetragen worden. Diese Anmerkungen haben sich so gut erhalten, dass man meinen möchte, sie seien erst gestern entstanden. Und außerdem brauche ich kein Laufwerk o.ä., um die Informationen lesen zu können.

Jun 04
2008

Dieser Frage geht ein Artikel im Magazin Technology Review (06/2008, S. 32 ff.) nach. Auf dem Gebiet der Neuroökonomie sollen Forschungen mittels Kernspintomografen Antworten auf solche Fragen finden. Die Ergebnisse sind jedoch z.T. umstritten. Es wurde beispielsweise nachgewiesen, dass im Gehirn ohne Kenntnis der Getränkemarke ein "Belohnungszentrum" beim Trinken von Pepsi-Cola weitaus aktiver war als bei Coca-Cola. Teilte man den Probanten die Marken vor dem Test mit, fiel das Untersuchungsergebnis umgekehrt aus. Hmm, ist das nun glaubwürdig oder nicht?

Interessant auch ein weiteres Untersuchungsergebnis:

Offensichtlich kann zudem nicht nur eine gut etablierte Marke, sondern auch einfach ein hoher Preis besonders lecker schmecken: Vor einigen Monaten setzte der Wirtschaftsforscher Antonio Rangel vom Caltech 20 Versuchspersonen verschiedene Weinproben vor und nannte ihnen dabei einen Preis. Je teurer der edle Tropfen angeblich war, so zeigte sich, desto stärker war das Belohnungszentrum im Hirn aktiv. Allerdings hatten die Forscher die Preisschilder ausgetauscht - die Probanten mochten den billigen Wein lieber, wenn er ihnen als teuer verkauft wurde, und den eigentlich hochwertigen Wein weniger, wenn er günstiger war. "Die meisten Menschen glauben, dass Preis und Qualität voneinander abhängen, daher ist es für das Gehirn nur natürlich, den Preis bei der Einschätzung des Geschmacks mit einzubeziehen", erklärt Rangel. ... Das Experiment habe gezeigt, wie wenig das subjektive Erleben eines Produkts mit seinen eigentlichen Qualitäten zu tun habe - und wie die Erwartung guter Qualität die emotionalen Zentren im Gehirn der Konsumenten anspreche.

Die geschilderten Verhaltensweisen kann ich auch an meiner Person entdecken. Dennoch bringen mich die Untersuchungsergebnisse ins Grübeln. Wie oft haben schon seriöse Untersuchungen aufgezeigt, dass z.B. das Ketchup bei Aldi von der Qualität her besser ist, als ein Markenketchup. Kürzlich war erst der Test unterschiedlicher Biersorten im Fernsehen zu sehen. Ohne Kenntnis der Marke haben hier günstigere Produkte sehr gut abgeschnitten.

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